Verkehrszähmer

 

Verkehrszähmer ist ein Programm, mit dem an einer Schule die Kinder dazu motiviert werden sollen, wieder häufiger zu Fuß zur Schule zu kommen anstelle im Auto. Hier ein link zum Programm.

 

Es folgt eine Zusammenstellung - Quelle ist oben genannter Link.

Im Leitfaden sind alle Materialien enthalten.

 

 

Theorie Verkehrszähmer

 

Neues Schulweg-Programm: Dieses Programm heißt ‚Verkehrszähmer‘ und hat zum Ziel, dass möglichst viele Kinder ihren Schulweg zu Fuß gehen. So soll die Verkehrssituation vor und nach dem Unterricht entschärft werden und den Kindern ein sicherer und schöner Schulweg ermöglicht werden.

 

Es ist wahrscheinlich eines der bisher ganzheitlichsten, innovativsten und kostengünstigsten Schulverkehrs-Programme überhaupt, da es die Ursachen für Verkehrsprobleme angeht und nicht nur die Symptome. Es stärkt Kinder, da es durch ihre Mitarbeit und Initiative angetrieben wird. David Engwicht,  der Erfinder des ‚Walking Bus‘, hält diesen ‚Geh-Bus‘ für überholt (Artikel: “Is the Walking School Bus stalled in an evolutionary cul-de-sac?” ).


Das Programm basiert darauf, den eigentlichen Teufelskreis  zu durchbrechen, der einem Teil unserer gegenwärtigen Verkehrs-Probleme zu Grunde liegt und hat ein größeres Ziel, als lediglich die Kinder zu Fuß zur Schule gehen zu lassen.

 

David Engwicht erkennt an, dass Autos in unserer Gesellschaft ein selbstverständlicher Bestandteil sind.

 

Der Teufelskreis des Schulverkehrs - eine soziale Kettenreaktion

 

  • Eltern fahren Kinder zur Schule, weil die Straßen zu gefährlich sind (Verkehr und Gefahr durch Fremde [‚Stranger danger‘])

  • Noch ein Auto mehr und der kritische Punkt ist erreicht

  • Die Straßen rund um die Schule sind verstopft, es kommt zu immer chaotischeren Situationen zum Unterrichtsbeginn bzw. –ende und die Wahrnehmung der Gefahr auf Straßen steigt

  • Noch mehr Eltern fahren ihre Kinder

  • Weniger Fußgänger, die Gehwege sind leer

  • Wahrnehmung der Gefahr durch den Verkehr/ durch Fremde steigt

  • Noch mehr Eltern fahren ihre Kinder

  • Mehr Menschen fahren

 

Bis zu einem gewissen Punkt beeinträchtigt die Benutzung des eigenen Autos auf öffentlichen Straßen nicht die Lebensqualität der anderen. Aber irgendwann ist der kritische Punkt für die soziale Gemeinschaft erreicht, auch wenn das Befahren von Wohnstraßen legal ist und natürlich bleiben soll. Dann verliert die Gemeinschaft durch das hohe Verkehrsaufkommen – sogar die Autofahrer verlieren (chaotische Situationen, verstopfte Schulstraßen bzw. Wohnstraßen).

Nur wenn die Gemeinschaft innehält und einen Weg aus diesem Teufelskreis wagt, kann dieser durchbrochen werden, die Negativbewegung aufgehalten und in eine positive Veränderung umgekehrt werden.

 

Rücksitz-Kinder

 

Leidtragende des Schulverkehr-Problems sind in allererster Linie unsere Kinder. Kinder, die immer gefahren werden und ihren Schulweg nur vom Autorücksitz wahrnehmen, werden in ihrer emotionalen Entwicklung eingeschränkt.

 Rücksitz-Kinder

  • lernen weniger schnell selbstständig zu sein, werden immer mehr durch Erwachsene kontrolliert und  beobachtet, erfahren weniger: Ich bin groß, ich schaff den Schulweg allein.  Ich schaffe Herausforderungen.

  • machen weniger soziale Erfahrungen und können weniger an der Gesellschaft teilnehmen  Freunde gewinnen, sich mit ihnen treffen und verabreden, austauschen, Nachbarn, Mitbürger kennen lernen.

  • nehmen ihre natürliche Umwelt passiver wahr  Wetter, Natur, Jahreszeiten.

  • können verkehrssicheres Verhalten nicht trainieren  Entfernung und Geschwindigkeit von Autos einschätzen, Beispiel langsamer LKW/schneller Kleinwagen,  sicheres Überqueren an Querungshilfen.

  • lernen weniger, Risiken einzuschätzen, abzuwägen, auszuweichen.

  • sind überbehütet. Ihnen ist es nicht möglich, auf ihrem Schulweg eigene Entscheidungen zu treffen  die Freiheit, das Gehtempo zu bestimmen, früher am Schulhof zu sein, um noch zu spielen, mit anderen reden.

  • entwickeln weniger emotionalen Ortsbezug, fühlen sich weniger ihrem Umfeld zugehörig.

Tägliches Fahren beschränkt die Wahrnehmung der Umwelt und macht Kinder isolierter und verletzbarer (siehe: Backseat Children – How our car dependent culture compromises safety on our streets ).

 

 

Der Wunsch nach Schutz und Sicherheit

oder Wattebausch versus Selbständigkeit

oder das Lehrstück von der verloren gegangenen Selbständigkeit

Selbstverständlich ist es das vornehmste Ziel aller Eltern, ihre Kinder vor Gefahren und Unbilden des Lebens zu bewahren, damit sie die Kindheit unbeschwert genießen. Ebenso selbstverständlich kennen Eltern vielfältige Gefahrensituationen, die das Wohl der Kinder bedrohen. Daher beginnen sie früh, unüberwindliche Dämme gegen Gefahrensituationen zu bilden. Hierzu gehört ein Schutzwall, an dem über lange Zeit fast unbemerkt gebaut wurde: das Eltern-Kind-Taxi.
Eltern fahren Kinder überall hin… zur Schule, zum Sport, zu Freunden… Sie versuchen so, ihr Kind zu bewahren vor den Gefahren des Straßenverkehrs, vor Kontakt mit Fremden, vor Streitigkeiten mit anderen Kindern. Aber verdrängen sie dabei nicht andere, ebenso hoch anzusiedelnde Ziele?
Es nutzt wenig, nur Schutz anzubieten. Gleichzeitig muss auch eine Stärkung des Kinder-Egos erfolgen. Ein Kind aber, das immer transportiert wird, kann nicht Selbständigkeit einüben. Es erfährt nicht das Gefühl, einen Weg mit all seinen Gefahren bewältigt zu haben. Es erfährt nicht das Vertrauen, welches Eltern in ihre Kinder setzen sollten: „Ich weiß, du schaffst!“ Es hat weniger Gelegenheiten, Freundschaften zu schließen und zu pflegen. Es hat nicht zuletzt zu wenige Möglichkeiten, die „Welt“ kennen zu lernen.

 

Denn letztendlich sieht ein immer gefahrenes Kind das Leben hinter einer Glasscheibe.

 

Diese eingeschränkte Wahrnehmung zu verhindern, Kinder in ihren Fähigkeiten umfassend zu stärken und nicht zuletzt die Gefahrensituationen in Schul- und Wohnstraßen zu vermindern, ist das Ziel aller großen und kleinen Verkehrszähmer.

 

Genial erscheint, wie eigenständig Kinder nach einer Einführungsphase sich diese Ziele selbst „erkämpfen“ und sich fast verloren gegangene Fähigkeiten zurück erobern.

Eine Zusammenfassung des Verkehrs-Zähmer-Programms in Schulen

Das Programm ist in drei Phasen organisiert mit einer optionalen vierten Phase:
1. Kennen lernen
2. Alte Gewohnheiten aufbrechen und neue etablieren
3. Feiern

Phase 1: Kennen lernen

Kinder lernen im Klassenraum die beiden Wege, Verkehr zu ‚zähmen‘ kennen. Sie werden ‚Verkehrszähmer‘. Weil ‚Verkehr‘ ein zu abstrakter Begriff für Kinder ist, wird ihnen gezeigt, wie sie jeweils nur ein Auto ‚zähmen‘ können. Autos werden ‚Drachenautos’ genannt (‘dragon wagons’):

1. Lasst eure Drachenautos sich zu Hause ausruhen und erlebt stattdessen ein Geh-Abenteuer (reduziert das Verkehrsvolumen)

2. ‚Beruhigt‘ euer Drachenauto, indem die Erwachsenen eurer Familie weniger und langsamer fahren. (reduziert und verlangsamt den Verkehr)

Phase 2: Alte Verhaltensweisen ablegen und neue etablieren

Die Klasse stellt sich nun einer Klassenherausforderung, um die beiden Wege, Drachenautos zu zähmen, zu praktizieren. Die Klassenherausforderung durchbricht den Teufelskreis: In dieser Zeit werden alte Verhaltensweisen aufgegeben und neue etabliert. Sie motiviert die Klasse, mit ihrem neuen Verhalten weiter zu machen und so die Chance zu erhöhen, dass daraus eine etablierte Gewohnheit wird. Die Kinder sammeln dabei Punkte (‚Zaubersterne‘)

1) Wichtigster Teil der Klassenherausforderung ist natürlich, zu Fuß zur Schule zu gehen. In der ersten Woche bekommt jedes Kind 2 Zusatz-Punkte, wenn es an allen 5  Tagen hintereinander zu Fuß zur Schule geht. In den darauf folgenden Wochen reduziert sich das auf einen Punkt pro Schulweg.

Ein weiterer Teil der Klassenherausforderung besteht darin, Schulweg-Abenteuer aufschreiben zu lassen, die die Kinder erlebt haben und sie in einem für alle zugänglichen Schnellhefter (Schulweg-Geschichten) zu sammeln. So wird erreicht, dass sie die Vorteile des Gehens verbalisieren und verinnerlichen.
Die Kinder können auch Seiten über die Abenteuer gestalten, die ihre Eltern/ Großeltern/ erwachsenen Bekannten auf ihrem Schulweg erlebt haben. Oder sie bitten die Erwachsenen, ein Schulweg-Abenteuer ihrer Kindheit selbst aufzuschreiben. Das bringt alle Familienmitglieder dazu, über den Fußweg zur Schule zu sprechen und zwar als etwas, das mehr als das bloße Zurücklegen einer Strecke ist. Für jeden Schulweg-Text gibt es einen Zauberstern.

2) Die Kinder erhalten den Vordruck ‚Verkehrssicherheits-Versprechen‘ (VV). Sie bitten ihre Eltern/Großeltern/Nachbarn dies zu unterzeichnen. Durch ihre Unterschrift versprechen sie, sich als Verkehrsteilnehmer vorsichtig und vorbildlich zu verhalten, Geschwindigkeitsbegrenzungen für ein Jahr/Schuljahr nicht zu überschreiten und möglichst oft zu Fuß zu gehen oder zu radeln.
Für die Unterschrift verdient das Kind einen Zauberstern und bekommt einen Aufkleber für das ‚gezähmte Drachenauto‘. Wird der Aufkleber auf das Auto geklebt,  bekommt das Kind einen weiteren Zauberstern.
Die Kinder verdienen immer dann Zaubersterne für ihre Klasse, wenn sie etwas dazu beitragen, Straßen sicherer zu machen.

 

Anlass – Anzahl Zaubersterne

1x zur Schule gehen – 1 Stern
Alle 5 Schulwege in der ersten Woche hintereinander – 2 Sterne
Verkehrsversprechen unterschreiben lassen – 1 Stern
1 Seite Schulweg-Abenteuer-Buch – 1 Stern
VV-Aufkleber auf Auto kleben – 1 Stern

 

Phase 3: Feiern

Wenn eine Klasse die vorgegebene Punktzahl (Zaubersterne) erreicht hat (z.B. 27 Schüler x 10 = 270 Punkte), gibt es eine Belohnung. Eine simple, aber attraktive Belohnung ist zum Beispiel eine doppelte Pause auf dem Schulhof (Pausenbeginn 9.20 Uhr).
Danach kann eine erneute Phase 2  begonnen werden, um die neuen Verhaltensweisen weiter zu etablieren. (Belohnung: dreifache Pause mit Besuch Carl-Alexander-Park/ Wasserspielplatz) oder :
Nach einem weiteren, dritten Durchgang könnten Eltern eine kleine Feier (Pizza-Party o.ä.) organisieren.
Eltern sollte das Schulweg-Abenteuer-Buch gezeigt werden, um auch bei ihnen die Verhaltensänderung zu festigen. Dies kann  auf dieser Feier oder bei Elternabenden oder Klassenfesten geschehen.
Oder das Verkehrsprogramm wird kombiniert mit einer Woche ‚Gesundes Power-Frühstück für alle‘. Jeder, der zu Fuß zur Schule geht und ein gesundes Power-Frühstück mitnimmt, bekommt Sterne-Punkte.
Oder jeder, der zu Fuß zur Schule geht und dabei seinen reflektierenden Sicherheitskragen trägt, sammelt Sternenpunkte.

Dann beginnt die Klasse erneut Zaubersterne zu sammeln.

 

Ziele des Programms

 

Das Programm zielt darauf,

  • die unabhängige Bewegungsfreiheit von Kindern zu steigern (das Vermögen, zur Schule/ zu einem Geschäft/ zur Bücherei/ zu Freunden zu gehen)  pädagogischer Bezug

  • die Kinder in ihrer Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu stärken  pädagogischer Bezug

  • sie zu befähigen, zu ihrer Heimatstadt und ihren Bewohnern einen positiven Bezug herzustellen  Ortsbezug

  • die Kinder zu ermutigen, sich mehr zu bewegen und damit ihre Gesundheit zu fördern  Gesundheitsbezug

  • ganzheitliches Lernen und Erfahren zu ermöglichen (hier wohne ich/ Wetter/ Jahreszeit) pädagogischer Bezug

  • den Kindern mehr Möglichkeiten zu bieten, durch Kontakte und Gespräche auf dem Schulweg /anderen Wegen Freundschaften und soziale Kontakte zu pflegen  sozialer Bezug

  • den Kindern einen ‚wachen‘ Start in den Schulmorgen zu ermöglichen (Bewegung, Sauerstoff, Mitteilungsdrang)  physiologischer und lernpsychologischer Bezug

  • die Kinder zu eigenverantwortlicher Teilnahme im Straßenverkehr zu erziehen, indem sie selbst Erfahrungen als Fußgänger machen, zunächst mit Begleitung durch Erwachsene, später allein (Einschätzen von Geschwindigkeit, Verkehrsregeln beachten und Hilfestellungen einsetzen (wie Querungshilfen oder ruhige Straßen benutzen)  verkehrspädagogischer Bezug

  • Kindern ein Werkzeug an die Hand zu geben, kostenlos oder mit wenig Kosten den Verkehr um Schulen und in Wohngebieten zu verlangsamen und zu reduzieren (Ich kann etwas bewirken)  praktikable Möglichkeit zur Eigeninitiative

  • nicht restriktiv und ‚von oben‘ Straßen sicherer zu machen (Verbotsschilder/ Knöllchen/ Blitzen), sondern durch eine freundliche, fröhliche Initiative von ‚unten‘, von den am meisten Beeinträchtigten, den Kindern  selbst  Basis-Bezug

  • den Städten ein sehr kostengünstiges Werkzeug an die Hand zu geben, um sich mit Schulverkehrsfragen zu befassen und Kinder zu ermutigen zu Fuß zur Schule und zu anderen Zielen zu gehen  verkehrspädagogischer und finanzieller Bezug

  • die Straßen sicherer und damit lebenswerter zu machen  Verkehrsbezug/ Lebensqualität

 

Das Verkehrs-Zähmer-Programm wurde speziell entwickelt, um den Arbeitsaufwand für die durchführenden Organisatoren (Polizei/Stadt/Schulen/ggf. Gesundheitsamt) so gering wie möglich zu halten. Jedoch haben die Organisatoren unbegrenzte Möglichkeiten, ihre eigenen Initiativen hinzuzufügen.
Die wahre Stärke dieses Programms liegt darin, dass Kinder, Lehrer, Eltern und das Gemeinwesen  gestärkt werden und ihnen Mittel an die Hand gegeben werden, wie sie selbst Straßen sicherer und lebenswerter machen können. Je mehr Menschen beteiligt sind, desto größer wird die positive Auswirkung sein.

 

Sicherheitskonzept für das Verkehrszähmer-Programms Klasse 1-4

Oberstes Ziel des Verkehrszähmer-Programms ist die Anbahnung und Ermöglichung einer unabhängigen Bewegungsfreiheit für Kinder, um Kindheit ganzheitlich gelingen zu lassen. Um Kinder auf verantwortungsvolles und selbstbestimmtes Verhalten im Straßenverkehr und im öffentlichen Raum vorzubereiten, wurde das Verkehrszähmer-Programm mit den Richtlinien und Lehrplänen NRW verknüpft. Die Vorgaben der Richtlinien unterstützen das Anliegen des Verkehrszähmer-Programms.

 


Aufgabe und Ziele (der Richtlinien)

„Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen,
•    selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln
•    Freude an der Bewegung … zu entwickeln, …,  und gesund zu leben“

RL 4.5 Erziehender Unterricht S.15
„Die Arbeit in der Schule zielt im Sinne eines erziehenden Unterrichts darauf ab, die Kinder zu unterstützen, die Welt zunehmend eigenständig zu erschließen …Damit verbunden ist die Aufgabe der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler ….zur Achtung vor Natur und Umwelt zu erziehen.
Durch fachliches und fächerübergreifendes Lernen werden Schlüsselqualifikationen als grundlegende Kompetenzen und Einstellungen angebahnt, die den Kindern die individuelle Gestaltung ihres Lebens, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben…ermöglichen. Solche Schlüsselqualifikationen, die sich aus dem Zusammenspiel von fachlichen, sozialen und personalen Kompetenzen ergeben und schon in der Grundschule angebahnt werden, sind ein wesentlicher Bestandteil einer Erziehung zur Mündigkeit in einer offenen und pluralen Gesellschaft. Hierzu gehören …Zuverlässigkeit und Sorgfalt, Selbstständigkeit … ebenso wie  Verantwortungs- und Hilfsbereitschaft sowie Respekt vor Mitmenschen.“

RL 11.1 Schule als Lebens- und Erfahrungsraum S.18
„Die Schule ist für Kinder immer auch Lebens- und Erfahrungsraum, der ihr Denken und Handeln beeinflusst…Es ist deshalb wichtig, dass (sie) …offenen mitmenschlichen Umgang erfahren. Solche Erfahrungen … fördern ihre Fähigkeit und Bereitschaft zu sozialem Lernen und Handeln.“

RL 12.4 Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht, dem Schulträger und außerschulischen Partnern
„…Um ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen zu können, kooperieren die Grundschulen mit … außerschulischen Partnern…. Ziel dieser Kooperation ist es, den Unterricht und das Schulleben durch außerschulische Lernorte zu bereichern…“

 


 

Lehrpläne

 

Schuleingangsphase/Klasse 1

Motto: Wir gehen sicher zu Fuß und zu anderen schulnahen Zielen
Die Eltern werden auf dem ersten Klassenpflegschaftsabend im 1. Schuljahr über das Verkehrszähmer-Programm (Info/ Fragen und Antworten/ VV/Aufkleber) und den Bordstein-Führerschein informiert. Sie werden um Kooperation und Unterstützung gebeten. Außerdem wird der Schulweg-Plan im Klassenraum ausgelegt, damit die Eltern die Gelegenheit haben, sich selbst einen Überblick über die sicherste Strecke für ihr Kind zu machen.

 

Die Klassenlehrer der ersten Klassen/Schuleingangsphasen starten zum Schuljahresbeginn im Bereich „Raum, Umwelt und Mobilität“ des Sachunterricht-Lehrplans.

„Die Schülerinnen und Schüler kennen geografische Merkmale in Nah-und Fernräumen und nutzen diese zur Orientierung. Sie entwickeln ein Bewusstsein für den Schutz von Lebensräumen. Sie verhalten sich als Verkehrsteilnehmerinnen und –teilnehmer verantwortungsbewusst und regelgerecht.“
(Lehrplan Sachunterricht Bereich Raum, Umwelt und Mobilität 3.3, S.46)

mit den folgenden Schwerpunkten:

Schwerpunkt „Schule und Umgebung“
„Die Schülerinnen und Schüler erkunden Schulwege und Schulumgebung sowie wichtige Einrichtungen im Wohnort, orientieren sich mit Hilfe von Wege- und Lageskizzen und Hinweisschildern und beachten sie.“

Schwerpunkt „Wohnort und Welt“
„…kennen und benennen die räumliche Struktur ihres Wohnortes (z.B. Stadtteile, Wohngebiete, Gewerbegebiete, kulturelle Angebote, Freizeitangebote.“

Schwerpunkt „Schulweg und Verkehrssicherheit“
„…beobachten und dokumentieren Verkehrssituationen aus dem Schulbezirk
…dokumentieren Verkehrszeichen, vergleichen sie, erklären ihre Bedeutung und beachten sie.“

Schwerpunkt „Verkehrsräume und Verkehrsmittel“
„…erklären optische und akustische Zeichen und geltende Regeln und wenden diese als Fußgänger im Straßenverkehr an (z.B. Verkehrszeichen, Ampel, Warnsignale)“
„untersuchen, reflektieren und beschreiben Merkmale sicherheitsorientierter Kleidung“

(LP SU, S.46)

 

Wichtigste Voraussetzung und Grundlage der Erkundungen zu Fuß ist das Training für und der Erwerb des Bordstein-Führerscheins.
Nur dann können gesichert Erkundungen der Schulwege, der Schulumgebung und des Wohnortes und Unterrichtsgänge mit der Klasse zu außerschulischen Lernorten,  Freizeiteinrichtungen und kulturellen Angeboten durchgeführt werden.

Bordstein-Führerschein
1.    Sicherere Strecke dem kürzeren, evtl. gefährlicheren Weg vorziehen
2.    Halt am Bordstein! Links, rechts, links, rechts schauen!
3.    Überqueren der Fahrbahn an gesicherten Stellen (Querungshilfen und Zebrastreifen, Ampel)
4.    Kein Überqueren an ungesicherten Stellen in Kreuzungsbereichen
5.    Verhalten beim Lotsen (stehen bleiben, auf Lotsenaufforderung warten)
6.    Überqueren der Fahrbahn zwischen geparkten Autos
7.    Anreize und Gelegenheiten schaffen zum Gehen in informellen Gehgemeinschaften (evtl. zusätzlicher Zauberstern)
8.    Tragen geeigneter Kleidung (angepasst an Wetter, hell, in der dunklen Jahreszeit reflektierende Sicherheitskragen mit zusätzlichem Zauberstern)

 

Klassenbelohnung für das erfolgreiche, durchgängige Engagement als ‚Verkehrszähmer‘ am Ende des 1. Schul(besuch)jahres könnte sein
•    ein zu Fuß oder mit ÖPNV bewältigter Ausflug zu einem beliebten, besonderen Spielplatz
•    oder zu einem Naturerholungspark/Tierpark
•    ein zu Fuß bewältigter Besuch einer kulturellen Veranstaltung des Schulträgers für Kinder (Kindertheater/ Kinderkino)
Voraussetzung: Die Kinder erreichten ca. 12mal das Klassenziel (z.B. 29 Kinder x 10 =290 Zaubersterne)

 

 Schuleingangsphase/Klasse 2

Motto: Wir gehen zu Fuß zur Schule
Die Klassenlehrer der zweiten Klassen/Schuleingangsphase wiederholen zum Schuljahresbeginn aus dem Bereich des Sachunterricht-Lehrplans „Raum, Umwelt und Mobilität“ die Schwerpunkte des ersten Schuljahres. Sie werben für das Verkehrszähmer-Programm mit der Schuljahresbelohnung.

 

Schwerpunkt „Schule und Umgebung“
„Die Schülerinnen und Schüler erkunden Schulwege und Schulumgebung sowie wichtige Einrichtungen im Wohnort, orientieren sich mit Hilfe von Wege- und Lageskizzen und Hinweisschildern und beachten sie.“

Schwerpunkt „Wohnort und Welt“
„…kennen und benennen die räumliche Struktur ihres Wohnortes (z.B. Stadtteile, Wohngebiete, Gewerbegebiete, kulturelle Angebote, Freizeitangebote.“

Schwerpunkt „Schulweg und Verkehrssicherheit“
„…beobachten und dokumentieren Verkehrssituationen aus dem Schulbezirk
…dokumentieren Verkehrszeichen, vergleichen sie, erklären ihre Bedeutung und beachten sie.“

Schwerpunkt „Verkehrsräume und Verkehrsmittel“
„…erklären optische und akustische Zeichen und geltende Regeln und wenden diese als Fußgänger im Straßenverkehr an (z.B. Verkehrszeichen, Ampel, Warnsignale)“
„untersuchen, reflektieren und beschreiben Merkmale sicherheitsorientierter Kleidung

(LP SU, S.46)

 

Sie frischen mit ihren SchülerInnen in den ersten Wochen des Schuljahres das Bordstein-Training auf und regen die Bildung von informellen Gehgemeinschaften an. Dabei können sie bei den Übungen im realen Verkehrsraum von  Eltern unterstützt werden.
Die Eltern werden auf dem ersten Klassenpflegschaftsabend im 2. Schuljahr erneut kurz über das Verkehrszähmer-Programm (Info/ Fragen und Antworten/ VV/Aufkleber), den Bordstein-Führerschein informiert und weiterhin um Kooperation gebeten.

 

Im 2. Schuljahr werden aus dem Bereich „Raum, Umwelt und Mobilität“ folgende Schwerpunkte thematisiert:

Schwerpunkt Schulweg und Verkehrssicherheit
„zeichnen und beschreiben ihren Schulweg mit Hilfe markanter Punkte“

Schwerpunkt  Verkehrsräume und Verkehrsmittel
„fahren einen Parcours im Schonraum (z.B. mit Roller oder mit dem Fahrrad auf dem Schulhof)“
(LP 3.3 S.46)

 

Klassenbelohnung für das erfolgreiche, durchgängige Engagement als ‚Verkehrszähmer am Ende des 2. Schul(besuch)jahres könnte
•    das Planen, Aufbauen und Befahren eines Parcours im Schonraum (evtl. mit Hilfe der Polizei) mit Rollern, aber auch Kettcars, Seifenkisten, Rollbrettern sein.
Voraussetzung: Die Kinder erreichten ca. 12 mal das Klassenziel (z.B. 29 Kinder x 10 =290 Zaubersterne x 12)

 

 Klasse 3

Motto: Wir gehen zu Fuß zur Schule, lernen unseren Wohnort kennen und sorgen für unsere Gesundheit

Zu Beginn des Schuljahres werden mit den SchülerInnen die Regeln des Bordstein-Führerscheins wiederholt und die Eltern über das durchgängig laufende Verkehrszähmer-Projekt informiert. Die Schuljahresbelohnung das Verkehrszähmer-Programm wird in Absprache mit den SchülerInnen getroffen.

 

Aus dem Bereich „Raum, Umwelt und Mobilität“ des Sachunterrichts werden als Schwerpunkte thematisiert:

Schwerpunkt Schule und Umgebung
„Die Schülerinnen und Schüler
nutzen Karten und Hilfsmittel als Orientierungshilfen (z.B. Stadtpläne, Landkarten, Kompass, Sonnenstand)
erkunden und beschreiben Strukturen des eigenen Lebensraumes und der Region“

Schwerpunkt  Wohnort und Welt
„Die Schülerinnen und Schüler
vergleichen, beschreiben und dokumentieren naturgegebene und gestaltete Merkmale (z.B. …, Oberfläche, …, Siedlungen, Verkehrswege,…)“

(LP 3.3 S.46)

Auch der Bereich „Natur und Leben“ kommen dazu:
„…Verantwortungsvolles Handeln im Bereich Natur und Leben schließt ein, dass die Kinder sich auch mit dem eigenen Körper, seiner Ernährung und Pflege beschäftigen und entsprechende Einstellungen und Verhaltensweisen ausprägen.“ (LP SU 2.1, S. 41)

Schwerpunkt „Körper, Sinne, Ernährung und Gesundheit“
„erklären Grundsätze der Körperpflege, der gesunden Ernährung und der gesunden Lebensführung“
„formulieren Regeln und Tipps für eine gesunde Lebensführung (z.B. Ernährung, Körperpflege, Erste Hilfe“
(LP 3.1 S.44)

 

Wünschenswert wäre hier eine Verknüpfung der Gesundheitserziehung mit dem Verkehrszähmer-Programm, indem für das Mitbringen eines ‚Power-Frühstücks‘ (Vollkornbrot, Obst, Gemüse, Mineralwasser, Schorle) für die gemeinsame Frühstückspause zusätzliche Zaubersterne erreicht werden können. So kann auch hier durch regelmäßige Ermutigung und Belohnung eine sich etablierende Verhaltensänderung angebahnt werden.

 

Klassenbelohnung für das erfolgreiche, durchgängige Engagement als ‚Verkehrszähmer am Ende des 3. Schul(besuch)jahres könnte sein
•    das Planen, Organisieren und Durchführen eines Power-Ferien-Picknicks mit anschließenden Abenteuerangeboten in einem Naturerholungspark / im Wald , z.B. eine Schnitzeljagd mit viel Zeit zum Spielen und Toben im Freien
•    eine Rallye durch den eigenen Wohnort  mit anschließendem Power-Ferien-Frühstück

 

Klasse 4

Motto: Wir gehen zu Fuß zur Schule, nehmen an der Radfahrausbildung teil und erkennen unseren Beitrag zum Umweltschutz

Bereich Raum, Umwelt und Mobilität
Schwerpunkt Schulweg und Verkehrssicherheit
„Die Schülerinnen und Schüler wenden Verkehrsregeln sicher an, verhalten sich in Verkehrssituationen normgerecht“
„… beschreiben, reflektieren und diskutieren die Verhaltensweisen von Verkehrsteilnehmern in Bezug auf verkehrsgerechte sowie umweltfreundliche Aspekte“

Schwerpunkt Verkehrsräume und Verkehrsmittel
„Die Schülerinnen und Schüler kennen und nutzen die Möglichkeiten des ÖPNV, benennen und reflektieren dessen Aufgaben und Bedeutung“
„…beherrschen das Fahrrad motorisch sicher, nehmen an der Radfahrausbildung teil und verhalten sich verkehrsgerecht“

Schwerpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit
„Die Schülerinnen und Schüler recherchieren und diskutieren die Bedeutung und Nutzung von Ressourcen und erproben den sparsamen Umgang mit ihnen (z.B. … Energie, Boden, Luft, …)“
(LP 3.3 S.46/47)

 

Klassenbelohnung für das erfolgreiche, durchgängige Engagement als ‚Verkehrszähmer‘ am Ende des 4. Schul(besuch)jahres könnte sein
•    Eine gemeinsame Radtour (mit Elternbegleitung, Helmpflicht, Sicherheitswesten, Fahren auf Radwegen) zu einem gemeinsam ausgesuchten Ziel im Umkreis von ca. 5-10 km des Wohnortes
•    Ein Tagesausflug mit dem ÖPNV zu einem gemeinsam ausgesuchten Ziel